Erweitertes Meistbegünstigungsprinzip über Medicaid
Mit den neuen Verträgen treten neun mittelgroße Unternehmen der Initiativenreihe der US-Regierung bei: Alcon, Astellas, BeOne Medicines, BridgeBio, CSL, Kyowa Kirin, Sun Pharma, Teva Pharmaceuticals und UCB. Rund elf Monate nach dem ersten Abschluss mit Pfizer haben damit 26 Unternehmen entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet. Laut US-Regierung decken diese Hersteller zusammen etwa 90 Prozent des inländischen Arzneimittelmarktes ab.
Das Grundprinzip der Meistbegünstigung (Most-Favoured Nation, MFN) ist folgendes: Die Medikamentenpreise in den USA werden an das niedrigere Preisniveau anderer Industrienationen gekoppelt. Im Gegensatz zu den Verträgen mit den 17 Großkonzernen, darunter Novo Nordisk, Eli Lilly und Regeneron, spielen Vertriebszusagen über die staatliche Rabattplattform „TrumpRx“ oder Befreiungen von Pharma-Zöllen bei den neun mittelgroßen Herstellern keine Rolle. Stattdessen verpflichteten sich die Unternehmen zu MFN-Preisen für Präparate, die über die Medicaid-Programme der Bundesstaaten für einkommensschwache Bürger bezogen werden.
„Sie haben keine Wahl.“
US-Präsident TrumpNämlich deswegen, weil „wir jetzt Vereinbarungen mit 26 Unternehmen haben, die 90 Prozent des Marktes abdecken, und die restlichen 10 Prozent werden ebenfalls dazustoßen“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz.
Prognostizierte Einsparungen: Vorbehalte
Die US-Regierung kalkuliert unter Berufung auf den Rat der Wirtschaftsberater (Council of Economic Advisers) mit Einsparungen von 600 Mrd. US-Dollar über die nächsten zehn Jahre. Unabhängige Branchenexperten ordnen diese Zahlen jedoch zurückhaltend ein. Sie führen gesunkene Arzneimittelpreise primär auf das unter der Vorgängerregierung von Joe Biden verabschiedete Medicare-Verhandlungsprogramm im Inflation Reduction Act zurück. Zudem ist die genaue Reichweite der aktuellen Verträge unklar, da, bis auf einzelne Ausnahmen, bisher nicht veröffentlicht wurde, welche konkreten Medikamente unter die Medicaid-Rabatte fallen.
Standortgarantien
Neben den Preiszusagen beinhaltet die Vereinbarung Zusagen über Investitionen von insgesamt 19,6 Mrd. US-Dollar in den Ausbau der US-Infrastruktur. Zusammen mit früheren Abkommen beziffert die Regierung das Gesamtwolumen der zugesagten Produktionsrückverlagerungen auf 668 Mrd. US-Dollar. Die Vertreter der beteiligten Pharmaunternehmen begründeten die Schritte im Rahmen der Bekanntgabe:
- BeOne Medicines: CEO John Oyler kündigte an, ein Krebsmedikament für Medicaid „zu einem stark reduzierten Preis“ bereitzustellen. Zudem investiere das Unternehmen bis 2029 knapp 11 Mrd. US-Dollar in die US-Forschung und -Produktion, darunter 300 Mio. US-Dollar für die Erweiterung eines Standorts in New Jersey.
- UCB: CEO Jean-Christophe Tellier verwies auf den Ausbau einer Fertigungsstätte im Bundesstaat Georgia im Umfang von 2 Mrd. US-Dollar und betonte, man tätige damit „die größte Produktionsinvestition, die unsere Unternehmen je getätigt haben“.
- CSL: Julie Schiffman, Senior Vice President für Market Access, kündigte eine Investition von 1,5 Mrd. US-Dollar in Illinois an, um eine „durchgehende Produktion von aus Blutplasma gewonnenen Therapien“ zu ermöglichen.
- Kyowa Kirin: Steve Schaefer, Nordamerika-Präsident des Konzerns, kündigte eine grundlegende Umschichtung der Belieferung an. Während derzeit nur 5 Prozent der in den USA hergestellten Medikamente des Unternehmens an US-Patienten verteilt würden, werden „innerhalb der nächsten zwei Jahre über 95 Prozent der in den Vereinigten Staaten hergestellten Medikamente für amerikanische Patienten bestimmt sein.“
Wirkstoffspenden für die nationale Notfallreserve
Als Bestandteil der MFN-Abkommen spenden vier der Hersteller definierte Mengen an Wirkstoffen an die nationale Reserve SAPIR (Strategic Active Pharmaceutical Ingredients Reserve):
- UCB stellt 163 Tonnen des Epilepsie-Wirkstoffs Levetiracetam (Handelsname Keppra) zur Verfügung.
- Sun Pharma liefert die Antibiotika Clindamycin (71,4 Tonnen) und Doxycyclin (6,75 Tonnen).
- Teva Pharmaceuticals steuert 45 Tonnen des Antibiotikums Metronidazol sowie 4,8 Tonnen des Blutdrucksenkers Amlodipin bei.
- Astellas beteiligt sich mit 25 Kilogramm des Immunsuppressivums Tacrolimus zur Verhinderung von Organabstoßungen.

