Der Einsatz Künstlicher Intelligenz beschleunigt die Produktion medizinischer Fachinhalte massiv. Gleichzeitig verknappt der steigende Verwaltungs- und Versorgungsdruck die Zeitressourcen in Praxen und Kliniken. Allgemeine Informationen sortieren Mediziner zunehmend ungelesen aus. Im Podcast „Forward Pharma Trialog“ analysieren drei Vertreter aus Verband, Industrie und Praxis, wie eine zielgerichtete Fachkommunikation aussehen kann, die den Versorgungsalltag unterstützt, statt ihn mit Inhalten zu überlasten. Sie sind unsere Tripulsgebende.
Die ärztliche Praxis: Harald Müller-Huesmann (Onkologe und Chefarzt)
Im Klinikalltag erfordert die Fülle an Mails, Post und digitalen Impulsen eine strenge Selektion. Verallgemeinernde Anschreiben oder fachfremde Themen werden umgehend aussortiert. Was zählt, sind unmittelbare klinische Relevanz, absolute fachliche Spezifität und Verlässlichkeit. Trotz zunehmender digitaler Angebote bleibt der authentische, persönliche Austausch das wirksamste Fundament für Vertrauen und Informationsaufnahme.
„Die größte Herausforderung überhaupt ist, die Aufmerksamkeit eines Arztes zu bekommen. Zeit ist die wertvollste Ressource, die wir haben. Manchmal ist mein Papierkorb der größte Kongress.“
Harald Müller-Huesmann
Die Industrie-Perspektive: Nico Renner (Pharma Marketeer)
Die automatisierte Generierung von Inhalten birgt das Risiko, den Druck auf die Zielgruppe durch irrelevante Masse weiter zu erhöhen. Der eigentliche Fortschritt durch KI liegt deshalb nicht in der Quantität der Texterstellung, sondern in der präzisen Segmentierung. KI muss genutzt werden, um Daten zu filtern und Fachärzt:innen exakt die Informationen bereitzustellen, die für ihr Spezialgebiet einen nachweisbaren Mehrwert bieten.
„Mit KI kannst du so viel Content generieren (...) Wir müssen KI lieber nutzen, um präziser zu filtern, wer welche Information wirklich braucht.“
Nico Renner
Die Verbands-Sicht: Alexandra Negt (Online-Kommunikation, vfa)
Breit gestreute Kommunikationsansätze haben in der Fachansprache ausgedient. Um Wahrnehmung zu erzeugen, müssen Kanäle und Inhalte extrem spitz auf spezifische Interessengebiete zugeschnitten sein. Neben dem Austesten neuer Formate und Plattformen für jüngere Zielgruppen gewinnt die redaktionelle Qualitätskontrolle an Bedeutung: Fachportale und Verbände müssen als verlässliche Filter fungieren, um ungeprüfte KI-Inhalte von fundierten Fakten zu trennen.
„Wir müssen uns einfach von der Meinung verabschieden: 'One size fits all' – das funktioniert nicht mehr. Wir müssen wirklich ganz spitz im Thema bleiben.“
Alexandra Negt