Foto: Getty Images
14.03.2018

Gesundheits-Apps und Datensicherheit

Fitness- und Healthcare-Apps für Endverbraucher werden immer beliebter: Mehr als 100 Millionen Anwender weltweit nutzen Smartphone-Anwendungen oder Wearables wie Fitness-Tracker und Smartwatches. Und jeder einzelne dieser Anwender füttert die Speichersysteme der App-Anbieter tagtäglich mit unzähligen persönlichen Gesundheits-Daten. Von der Aufzeichnung sämtlicher Aktivitäten und dabei messbarer körperlicher Werte über Schlafgewohnheiten und Kalorienverbrauch bis hin zu Trainingserfolgen wird mittels leistungsfähiger Sensoren alles erfasst, was Auskunft über den eigenen Fitness- und Gesundheitszustand verspricht. Das Problem: Die Datensicherheit ist bei vielen Anwendungen mangelhaft. Wie ein Test der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen gezeigt hat, ist für Anwender in den meisten Fällen kaum bis gar nicht nachvollziehbar, welche Daten konkret erfasst und wie sie gespeichert werden – und auf welche Weise die Anbieter diese Daten auswerten und nutzen. Die großen Potenziale, die für Anbieter aus der Gesundheitsbranche in der Entwicklung und Datenauswertung solcher Apps liegen, werden durch mangelnde Transparenz gefährdet.

Potenziale und Chancen der Datensammlung

Die Chancen, die für Anbieter aus dem Healthcare-Sektor in der umfangreichen Datenerhebung mittels Apps und Wearables stecken, sind riesig. Nie zuvor konnten dermaßen punktgenau die persönlichen Körperwerte und das Ernährungs- und Fitnessverhalten jedes einzelnen Nutzers aufgezeichnet und ausgewertet werden. Auf Basis solcher Daten lassen sich zum Beispiel individuell zugeschnittene Leistungs- und Produktangebote zusammenstellen, Trainings- und Reha-Pläne entwickeln oder die gesundheitlichen Werte von Risikopatienten oder chronisch Kranken zuverlässig überwachen. Auch Institutionen im Gesundheitswesen wie Krankenkassen und Versicherungen dürften zukünftig großes Interesse an den Daten haben, die ihnen ein objektives Bild vom Gesundheitszustand einzelner Personen versprechen.

Zukunftssicher nur mit hoher Datensicherheit

Bei der Entwicklung und Implementierung von Healthcare-Apps schon heute an den Datenschutz von morgen zu denken, ist für Anbieter in der Gesundheitsbranche unumgänglich. Denn auch wenn aktuell noch eine gewisse „All-you-can-get“-Mentalität herrscht, mehren sich die Tendenzen, dass der Fokus auf den Datenschutz in Zukunft steigen wird. Noch tut die fehlende Transparenz über Art und Umfang der Datenspeicherung und die Verwendung der erhobenen Daten der Popularität vieler Apps keinen Abbruch – doch die Sensibilität der Nutzer für die Sicherheit ihrer persönlichen Daten wächst. Das zunehmende Misstrauen gegenüber undurchsichtiger Datenspeicherung und -verwendung spürt manch ein Anbieter bereits – zum Beispiel im Rahmen von Abmahnungen und sogar Klagen durch Verbraucherschützer. Allround-Anbieter wie Apple sind damit aktuell ebenso konfrontiert wie Spezialfirmen wie Fitbit und Garmin.

Die Forderung der Verbraucherschützer: Für den Endverbraucher muss genau nachvollziehbar sein, welche seiner persönlichen Daten gespeichert werden und wofür diese Daten genutzt werden. Im Test der Verbraucherzentrale NRW gaben lediglich drei von zwölf Anbietern konkrete Auskunft zu diesen Fragen. Es herrscht also ganz offensichtlich noch viel Nachholbedarf.

Fazit: Geben und Nehmen in Balance halten

Die aktuelle Situation zeigt: Die Potenziale der Datenerhebung und -auswertung durch Apps im Fitnesssektor und Gesundheitswesen sind enorm. Doch die wichtigste Basis für Markterfolge in diesem Bereich ist das gute Gefühl des Nutzers: Nur durch Transparenz über die Verwendung der Daten, wirkungsvolle Maßnahmen zur Wahrung der Privatsphäre, besonders bei sensiblen Gesundheits-Daten, und hohe Ansprüche an den Datenschutz wird dieses gute Gefühl langfristig bestehen bleiben.