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16.02.2018

Mit Big Data individuelle Therapien möglich machen

Das Stichwort „Big Data“ ist derzeit in allen Branchen anzutreffen und wird oft als Grundlage zukunftsträchtiger Technologien und Konzepte gesehen. Die modernen Möglichkeiten zur detaillierten Auswertung selbst riesiger Datenmengen sorgen auch in der Pharmabranche und im Gesundheitswesen für Innovationen. Leistungsfähige Tools, kombiniert mit immer vielfältigeren Systemen zur Datenerfassung, machen die Aufarbeitung großer Datenmengen nach spezifischen Kriterien möglich. Im Pharmabereich können die Verkaufsinformationen der Apotheken zu einem Patienten dabei ebenso einfließen wie die Daten seines Fitness-Trackers, die diagnostischen Informationen seines Arztes, die Patientengeschichte aus der Patientenakte und die Befunde diverser Untersuchungen. All dies ergibt ein sehr detailreiches Gesamtbild, aus dem die einzelnen Akteure im Healthcare-Bereich dann die für sie jeweils wichtigen Erkenntnisse ableiten müssen. Im Einzelfall lässt sich so nicht nur gefährlichen Kreuzwirkungen verschiedener Medikamente vorbeugen, sondern sogar eine individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen maßgeschneiderte Therapie entwickeln. Denn wer bei jedem einzelnen Patienten dessen komplette Krankheitsgeschichte, alle verfügbaren Informationen zu Unverträglichkeiten und bisherigen Therapieerfolgen sowie zum Krankheitsbild passende Studien in die Analyse einfließen lässt, kann daraus einen individuellen Therapie- und Medikamentenplan für genau diesen Patienten herausfiltern. So ist möglich, bei jeder Krankheit und jedem Patienten gezielt den effektivsten und erfolgversprechendsten Therapieansatz zu nutzen.

Die Einsatzgebiete in der Pharmabranche

Neben der Entwicklung individueller Therapien haben die neuen Möglichkeiten zur Auswertung großer Datensammlungen auch für die Pharmaforschung viele positive Effekte. Unter anderem lassen sich damit sehr schnell und komfortabel verschiedene Studien vergleichen und unter spezifischen Aspekten auswerten. Zudem erlaubt der Big Data-Einsatz die Umsetzung sogenannter Real-World-Studien, bei denen der Medikamenteneinsatz nicht in klinischen Studienumgebungen sondern anhand realer Patientengeschichten aufgearbeitet wird.

Doch nicht nur Daten, die aus therapeutischer, diagnostischer Sicht oder aus der Forschungsperspektive von Interesse sind, bringen durch moderne Analysetools den Fortschritt im Healthcare-Sektor voran. Auch für das Marketing der Pharmafirmen hält das Thema Big Data viele Vorteile bereit. Denn ebenso wie Medizin und Therapien durch die Datenauswertung sehr individualisiert verfügbar gemacht werden können, lassen sich auch Ansprachen an die verschiedenen Zielgruppen aufgrund der Big Data-Erkenntnisse maßschneidern. Dies geschieht in vielen Firmen sogar schon sehr gezielt.

Als noch weitgehend ungehobener Schatz gelten jedoch die klinischen Daten. Deren Verbindung mit pathologischen Parametern bildet die Grundlage für die extrem detaillierte Individualisierung von Therapien und Medikamentenzusammenstellung.

Strukturen für die Datenanalyse schaffen

Nur wenige Pharma-Anbieter haben bereits heute die entsprechenden Strukturen und internen Prozesse, um mittels Big Data-Analyse individualisierte Therapien zu entwickeln und bereitzustellen. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, eben diese Strukturen zu schaffen. Als Vorbild kann dabei die Onkologie dienen, denn sie ist der Bereich im modernen Gesundheitswesen, der schon heute basierend auf individuellen Patientendaten und -werten sehr individuelle Therapien gestaltet und umsetzt. Zukünftig soll dieser Vorteil auch weiteren Patientengruppen zugute kommen.