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12.01.2018

Trends in der Telemedizin

In der modernen Gesellschaft gehört digitalen Tools die Zukunft. Das gilt auch für die Healthcare-Branche: Telemedizin heißt das Konzept, das die Arbeit von Ärzten noch effizienter und die Patientenbehandlung noch hochwertiger machen soll. Die Basis bilden moderne Tools zur Videotelefonie und Fernüberwachung, mit denen sich Ärzte-Konsultationen, Patientenberatungen und das Monitoring von Patientenwerten aus der Ferne gestalten lassen.

Einsatzfelder, Vor- und Nachteile der Fernbehandlung

Die Einsatzfelder für die Telemedizin-Tools umfassen Diagnostik, Kontrollen und Auswertungen ebenso wie Behandlungen, Kooperationen von Spezialisten und die fachärztliche Unterstützung von Ersthilfe- und Notfallmaßnahmen. Durch ortsungebundene Einsatzmöglichkeiten ergeben sich nicht nur Zeitersparnisse für Mediziner und Patienten: Auch Ansteckungsgefahren und lange Anfahrtswege werden umgangen. Routinechecks können effizient umgesetzt werden, die Grundversorgung in schwach besiedelten Gebieten kann deutlich optimiert werden.

Natürlich bringen Fernbehandlungen und Videochats auch Nachteile mit sich. Denn ein Abtasten oder Abhören des Patienten zur Diagnosefindung ist auf digitalem Wege nicht möglich. Kritiker führen zudem auch Datenschutz-Bedenken gegen die medizinischen Telematik-Anwendungen ins Feld. Auch die Zuverlässigkeit von Diagnosen auf Basis von Tele-Konsultationen sieht manch ein Experte kritisch. Deshalb sind Telemedizin-Tools in Deutschland bislang nur auf solche Felder beschränkt, in denen der Mediziner den Patienten bereits physisch untersucht hat – und mittels Videochat zum Beispiel Kontrollen vornimmt oder beratend tätig ist.

Potentiale für die Pharmabranche

Pharma-Akteure können sich die zunehmende Beliebtheit telemedizinischer Anwendungen durchaus zunutze machen. Als Unterstützung können Anbieter aus der Pharmabranche beispielsweise Fortbildungen für Ärzte und Patienten anbieten, die das Thema beratungstechnisch unterstützen.

Telemedizin-Pilotprojekte in Deutschland

In Sachen Telemedizin ist Deutschland nicht wirklich ein Vorreiter: In anderen europäischen Ländern wie England, Norwegen und Schweden erfreut sich die Ferndiagnostik bereits großer Beliebtheit. Auch in der Schweiz gehören sogenannte Telekonsultationen längst zum Alltag: Medgate, ein Anbieter von Telemedizin-Anwendungen, spricht von bis zu 5000 digitalen Beratungsgesprächen täglich. In Deutschland hingegen sind der Ferndiagnostik und -behandlung bislang Grenzen gesetzt: Die ärztliche Berufsordnung verbietet digitale Sprechstunden für Fälle, in denen der Arzt den Patienten nicht vorher bereits untersucht hat.

Einige deutsche Bundesländer haben jedoch Pilotprojekte ins Leben gerufen, um die Möglichkeiten der Fernbehandlung aktiver und effektiver nutzen zu können. Zu diesen Vorreitern gehört Baden-Württemberg, wo die Landesärztekammer das Fernbehandlungsverbot im Juli 2016 gekippt und bereits 2015 eine Telemedizin-Koordinierungsstelle eingesetzt hat. Seither laufen Modellprojekte zum Einsatz der Ferndiagnostik und -behandlung in dem süddeutschen Bundesland. Auch diverse Pilotprojekte in Niedersachsen geben den Befürwortern der digitalen Beratung Hoffnung, dass die telemedizinischen Tools der in Zukunft in Deutschland aktiver eingesetzt werden könnten. In einem dieser Projekte unterstützen Spezialisten aus Oldenburg beispielsweise Notfallsanitäter bei Einsätzen durch Video-Zuschaltung und Live-Überwachung von Patientenwerten wie Blut-Sauerstoffsättigung und Puls des Patienten. Auch an der Medizinischen Hochschule Hannover nutzt man die Mittel der Fernüberwachung für das Monitoring von Herzschrittmachern.

Die größte Hoffnung setzen von Fernbehandlungen überzeugte Mediziner und Vertreter der Pharmabranche im Moment allerdings auf den Deutschen Ärztetag, der im Mai 2018 stattfindet. Dort wird eine Entscheidung zugunsten des Einsatzes von Telemedizin-Anwendungen für Diagnostik, Beratung und Behandlung erwartet.